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Umgangs- und Sorgerechts-Blog
Rechtsanwältin Carolin Hengst und Sina Töpfer im Gespräch: Der Loyalitätskonflikt

Rechtsanwältin Carolin Hengst und Sina Töpfer im Gespräch: Der Loyalitätskonflikt

Svenja Auerswald

In der Betreuung unserer Mandant*innen in ihren familienrechtlichen Angelegenheiten läuft uns ein Begriff immer wieder über den Weg: Der Loyalitätskonflikt. Die Elternteile halten sich häufig gegenseitig im gerichtlichen Verfahren vor, das gemeinsame Kind in einem Loyalitätskonflikt zu stürzen. Der Begriff ist nicht nur ein juristischer, er ist geprägt von vielen Faktoren unterschiedlichster Disziplinen darunter Psychologie und Sozialwissenschaft. Wir wollen versuchen, das Wesen dieses Begriffes zu erfassen. Deswegen hat Rechtsanwältin Carolin Hengst der systemischen Familienberaterin und Mediatorin einige Fragen dazu gestellt:

Liebe Sina! Du bist unter anderem systemische Beraterin und Mediatorin und unterstützt nicht nur die Mitarbeiter unserer Kanzlei im Umgang mit Mandanten, sondern auch die Mandanten selbst in ihren teilweise sehr schwierigen familiären und persönlichen Situationen.

Ein Begriff, der mir in meiner täglichen Arbeit häufig über den Weg läuft, ist der „Loyalitätskonflikt“, in den Kinder bei Streitigkeiten der Eltern sehr schnell hineingeraten.

Daher meine erst Frage: Was ist das überhaupt?

Einen Loyalitätskonflikt erleben Kinder immer dann, wenn ein Elternteil das andere Elternteil entwertet. Elternteile, die vor ihren Kindern streiten, sich gegenseitig beschimpfen, erniedrigen, demütigen, ignorieren usw. bringen Kinder in eine Situation, in der sie das Gefühl haben, zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Sie lieben in der Regel beide Elternteile und empfinden zu beiden eine Loyalität. Diese Loyaliät wird auf die Probe gestellt, wenn Kinder das Gefühl haben, sie müssten sich entscheiden oder die Liebe zu einem Elternteil vor dem anderen verstecken.

Woran merkt man, dass ein Kind sich in einem Loyalitätskonflikt befindet?

Z.B. daran, dass sie von sich aus nichts, gar nichts über das andere Elternteil erzählen, wenn sie von einem Umgangskontakt zurückkommen. Sie schützen dann möglicherweise das andere Elternteil, von dem sie gerade zurückkehren. Andersherum, Kinder die frei vor dem einen Elternteil über das andere Elternteil in allen Schattierungen erzählen, wachsen in der Sicherheit auf, dass das andere Elternteil vollkommen in Ordnung ist, so wie es ist.

Es geht im Grunde genommen darum, Kindern zu ermöglichen, Menschen und Beziehungen selber bewerten zu lernen und nicht die Bewertung von Erwachsenen zu übernehmen.

Wie kann man Kinder entlasten, wenn man festgestellt hat, dass sie sich in einem Loyalitätskonflikt befinden?

Indem Elternteile ihre Konflikte in den Griff bekommen und diese nicht vor den Kindern austragen. Und wenn dies doch einmal passiert, Kinder auch in den „Teil des Vertragens“ einbeziehen. Kinder erleben die Streitigkeiten der Eltern, aber selten, wie diese ihre Konflikte dann lösen. Das ist der Teil, der den Kindern häufig fehlt. Hier haben Elternteile die wunderbare Chance zu zeigen: Manchmal finde ich Dich, anderes Elternteil doof, aber wir klären das und im Grunde genommen bist Du ein wertvoller Mensch.“ Ein wenig pathetisch, aber dies macht vielleicht die Kindersicht ein wenig deutlicher. Und ganz nebenbei leben Eltern so ihren Kindern auch vor, was zum Streiten in Summe alles dazugehört.

Was kann man als Elternteil präventiv tun?

Sina Töpfer: Wertvoll über die guten Seiten des anderen Elternteils sprechen. Ich erlebe immer wieder, dass gerade in Trennungssituationen kein gutes Haar an dem anderen gelassen wird. Wenn ich mit Klient*innen arbeite, stelle ich häufig die Frage nach der ersten Begegnung, dem ersten warmen Gefühl für den anderen. Es geht darum, für sich einen Mechanismus zu finden, das andere Elternteil und damit auch ein wesentlichen Anteil im gemeinsamen Kind zu sehen und wertzuschätzen. Sie ganz bewusst für eine positive Haltung zu entscheiden.

Was kann jeder persönlich tun, wenn es beim eigenen Kind auftritt?

Ich finde immer gut in eine Art Bestandsaufnahme einzusteigen:

  • Wie sehe ich aktuell den anderen Elternteil?
  • Was kann den anderen Elternteil gut im Kontakt mit dem Kind?
  • Welche Eigenschaften von dem anderen Elternteil sehe ich in dem gemeinsamen Kind?
  • Wie gut gelingt es mir, meinen Frust über den anderen Elternteil zurückzuhalten?
  • Rutscht mir etwas entwertendes vor dem Kind heraus?
  • Was trage ich noch an Wunden aus der Paarbeziehung mit mir herum?

Das was ich in Trennungssituationen von Eltern immer wieder erlebe, ist, dass die Reste aus der Paarbeziehung unbearbeitet bleiben und dann auf Elternebene weiter wirken. Sich klar zu machen, welche Themen auf welche Ebene gehören und sie dort auch zu bearbeiten, kann für die Eltern-Kind-Beziehung sehr heilsam sein. Und mit Bearbeitung auf Paarebene meine ich, dass das, was zur Trennung geführt hat, nachbereitet und verabschiedet wird.

Vielen lieben Dank, Sina! Das war sehr hilfreich!

Wenn Sie befürchten oder erste Anzeichen entdeckt haben, dass ihr Kind unter den Auswirkungen eines Loyalitätskonflikts leidet, kontaktieren Sie Frau Rechtsanwältin Hengst oder die anderen Anwält*innen der Kanzlei Kind & Recht gerne für ein Erstberatungsgespräch. Auf Ihren Wunsch können wir für eine ganzheitliche Beratung auch Sina Töpfer in die Mandatsbearbeitung einbinden.

Besuchen Sie auch die Website von Sina Töpfer für mehr interessante Informationen über ihre Arbeit als systemische Familienberaterin.