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Umgangs- und Sorgerechts-Blog

Mensch sein.

Daniela Rittgarn

„…wurde vor einem Flüchtlingsheim demonstriert.“ >zapp< „…Hunderte von Flüchtlingen sind in den Bahnhof geströmt und versuchen, in bereits überfüllte Züge einzusteigen.“ >zapp< „…Menschen starben in Schlepper-LKW.“ >zapp< „…hat sich dazu bekannt, einen Molotowcocktail in das Flüchtlingslager geworfen zu haben.“

Jeden Morgen werde ich von meinem Auto mit solchen Berichten aus dem Radio begrüßt. Es vergeht kein Tag, an dem nicht neue Ungeheuerlichkeiten bekannt, neue Opferzahlen veröffentlicht werden, neue Ausschreitungen in unserem Land geschehen. Ist es bei dem Überlauf an Informationen und dieser rasanten Entwicklung der Geschehnisse überhaupt möglich, die Augen zu verschließen? Kann man sich abwenden von Bildern, die das Internet überfluten und haarsträubenden Geschichten, die über die Medien verbreitet werden? Mal abgesehen von der ganzen Politik, die das große Thema Flüchtlinge ummantelt, beschäftigt nicht jeden hier, was derzeit in unserem Land passiert?

Es werden nicht einmal Radio, Fernsehen oder Zeitung benötigt, um gewollt oder ungewollt Informationen über den derzeitigen Stand in Deutschland zu erhalten. Die sozialen Medien sind voll mit Kommentaren, Gerüchten, Anschuldigungen, Aufrufen. Immer mehr kristallisieren sich zwei Fronten heraus. Und ich bekomme das beängstigende Gefühl, dass einige Verfasser der „ich bin ja kein Rassist, aber…“-Texte nicht merken, welche Richtung sie damit einschlagen.

Ich kann ja noch verstehen, dass man mit der deutschen Politik vielleicht nicht einverstanden ist. Jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Aber sollen wirklich diejenigen dafür büßen, die es geschafft haben, nach wochen-, sogar monatelanger Reise, erbittertem Überlebenskampf in Sicherheit anzukommen? Wollen wir uns anmaßen zu entscheiden, wer flüchten darf – wer auf Dauer nicht zu teuer wird – und wenn doch, wohin er dann besser gehen sollte – wer wie viele Mitglieder seiner Familie mitnehmen darf – und was mit dem Rest geschehen soll? Ach und wo wir gerade dabei sind, können wir den Flüchtlingen auch bitte gleich die Entscheidung abnehmen, welche gespendeten Sachen Sie annehmen dürfen. Dann haben wir auch diese unselige Debatte abgeschafft, ob Flüchtlinge in Nike-Pullovern und Adidas-Schuhen „wirklich so arm dran“ sind.

Denn ja, es gibt Spender in Deutschland. Es gibt Menschen, die an die Familien denken, die es geschafft haben und sie nicht dafür bestrafen, was die Politik und sicher auch einzelne Flüchtlinge in unseren Augen falsch gemacht haben. Diese andere Front, die im Internet schon häufiger mit bösem Unterton als „Gutmenschen“ betitelt wurde nimmt glücklicherweise zu. Seit wann muss man sich eigentlich dafür schämen, solch ein Gutmensch zu sein? Ist das das neue Zeitalter? Der „kein Rassist, aber“ gegen den „Gutmenschen“? Was spricht bitte dagegen ein Gutmensch zu sein? Wenn ein Gutmensch Jemand ist, der sich Gedanken um andere Menschen macht – egal welcher Hautfarbe oder Nationalität – der hilft, wo man helfen kann, dann: Ja, auch wir – Matthias Bergmann und Daniela Rittgarn – sind Gutmenschen und schämen uns nicht dafür. Schämen sollten sich meiner Ansicht nach diejenigen, die es geschafft haben dem Wort Gutmensch einen bitteren Beigeschmack anzuhängen.

In Hamburg haben sich diese „Gutmenschen“ zusammen getan und tun aktiv etwas für die Flüchtlinge hier bei uns in Deutschland. In den Messehallen werden Spenden aller Art von den Hamburgern zusammengetragen und für die Flüchtlinge in unserer Stadt sortiert und verpackt. Wir haben am letzten Mittwoch das Büro geschlossen und sind selbst dorthin gefahren. Und ich kann Ihnen sagen, selten bin ich abends so erschöpft, zufrieden und erleichtert eingeschlafen. Was einen dort in den Messehallen erwartet ist unglaublich! Eine Halle voll mit Spenden, Kisten, Paletten, Helfern und guter Laune. Jeder, den man dort antrifft, ist freiwillig da und hilft wo er kann. Es herrscht eine Eigendynamik, die ich so noch nicht erlebt habe. Am Eingang bastelt sich jeder selbst sein Namenschild und schon stehen Oliver und Lara vor dir und fragen, ob sie dir beim Ausladen helfen sollen. Niemand fühlt sich unzuständig und hofft, dass jemand anderes die Arbeit übernimmt. Wir haben unsere Ladung Hygienemittel (Einweghandschuhe, Feuchttücher, Duschgel, Shampoo, Schnuller, Babyflaschen, usw.) abgegeben und waren mittendrin im Geschehen. Sofort hat jeder sich eine Aufgabe gesucht. Und davon gibt es reichlich in den Messehallen. Alles wird sortiert, zu Paketen verpackt und auf Paletten gestapelt. Diese Paletten werden dann in die Flüchtlingslager in und um Hamburg verteilt – so hat es mir Anja erklärt. Und das Schönste: Jeder dort hat Spaß an der Arbeit und ist gerne da. Niemand beschwert sich, alle haben gute Laune. Man merkt kaum, wie die Zeit vergeht vor lauter Tatendrang und Gruppendynamik. In den Messehallen in Hamburg wird man empfangen vom Gemeinschaftssinn der Gutmenschen.

Natürlich zeigt sich nicht nur Hamburg hilfsbereit. In ganz Deutschland stehen Menschen auf und zeigen Herz. Mir geht es nicht darum, dass Deutschland seinen Ruf retten muss, oder dass wir uns ausnehmen lassen sollen, damit wir keinen Ärger mit anderen Ländern bekommen. Diese politischen Fragen möchte ich hier gar nicht besprechen. Ich möchte lediglich darauf aufmerksam machen – daran appellieren – dass wir nicht vergessen dürfen, dass es um Menschen geht. Es geht um Leben und Tod! Es geht um Mensch sein. Ob Mitmensch, Gutmensch oder sonst was, nennen Sie es, wie Sie wollen.

Ich werde nächste Woche wieder in die Messehallen fahren und habe auch schon einige Spenden aus meinem Bekanntenkreis erhalten, die ich mitnehmen darf. Darauf bin ich stolz. Auf die Menschen, die helfen wollen, egal ob mit Spenden oder auch nur Kommentaren gegen menschenfeindliche Äußerungen. Das zeigt, dass wir noch nicht verloren sind. Dass wir ein Herz haben. Denn was zählt, und was wir alle bei dem ganzen Politik-Mist (entschuldigen Sie die Wortwahl) vergessen ist:

Egal, ob weiß, schwarz oder bunt kariert – Wir sind alle Menschen! Wir haben alle Rechte! Das ist es was zählt.