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Umgangs- und Sorgerechts-Blog

Auf Augenhöhe

Auf Augenhöhe

Daniela Rittgarn 3. Oktober 2018

Ich bekomme die letzten Tage wieder vermehrt mit, dass Eltern ihren Kindern Dinge verbieten, um sie zu schützen. “Geh spielen, ich koche alleine” “Komm da runter, du könntest abrutschen” “Wirf das weg, das ist schmutzig”.
Viele kleine Situationen am Tag hören sich so an. Oft werden diese ohnehin schon kurzen, ich nenne sie jetzt mal “Befehle” auch noch kürzer “nein” “lass das” “hör auf”.
Für uns Erwachsene plausibel. Für Kinder oft einfach nur unfair und gemein.
Natürlich sagen wir dem 3 jährigen Kind, dass er die Herdplatte nicht anfassen soll, weil wir nicht wollen, dass er sich verbrennt oder sie in den Topf mit heißem Wasser fasst. Aber nur, weil es für uns selbstverständlich ist, heißt das nicht, dass das kleine Wesen das versteht. Viele viele Diskussionen und Streits lassen sich vermeiden, wenn wir einfach auf Augenhöhe unseres Kindes gehen und mit ihm sprechen.
Erklären statt verbieten.

“Schatz, das ist eine Herdplatte, die wird ganz heiß, damit das Essen darauf kochen kann. Ich möchte nicht, dass du deine Haut verbrennst, weil das sehr weh tut.” hat 2 große Vorteile gegenüber dem klassischen “Finger weg!”
1. MiniMe hört, dass es etwas nicht tun soll und erfährt direkt den Grund für das Verbot. Kann nun Nachfragen stellen und etwas dazu lernen.
2. Der kleine Mensch merkt, dass er geliebt wird. Er spürt, dass jemand nicht möchte, dass er verletzt wird. Sie erfährt, dass Jemand sie beschützt.
Natürlich läuft das nicht immer so harmonisch ab. Und natürlich hat man ab und an vielleicht auch nicht die Geduld, alles bis ins letzte Detail zu erklären. Aber das muss man ja auch nicht. Augenhöhe bedeutet nicht, sich selbst zurechtfertigen, bis das liebe Kind endlich zustimmt. Wir bringen unseren Kindern bei, dass wir alle Menschen sind. Wir sind alle unterschiedlich aber wir haben alle ein Recht auf eine Meinung, auf eigene Gefühle und auf Bedürfnisse.

Wenn ich Max sage, dass er sich feste Schuhe anstelle von Sandalen anziehen soll, weil es draußen nass ist, stimmt er mir natürlich nicht sofort zu, weil ich meinen Wunsch begründet habe – das wäre ja zu einfach. Er argumentiert dagegen “Aber ich mag Wasser, meine Füße können ruhig nass werden.” Ich habe jetzt 3 Möglichkeiten.
Option A: Ich würge ihn ab mit einem strengen “Ich habe gesagt, zieh deine Schuhe an. Da gibt es keine Diskussion.”. Max wiederholt sich, ich wiederhole mich, noch knapper, evtl. lauter. Max wird sauer, der Zeitdruck größer und am Ende ziehe ich ihm die Schuhe hektisch an um nicht zu spät zu kommen. Der Weg zur Kita wird begleitet von einem bockigen Kind, dass mir immer wieder sagt, wie gemein und unfair ich bin.
Option B: Ich gebe nach und lass ihn die Erfahrung selbst machen, riskiere aber eine Erkältung 🤧 Vielleicht geht es gut und die Füße bleiben trocken, das Kind gesund. Dann habe ich dieselbe Diskussion nächstes Mal wieder, denn Max hatte ja schonmal Recht… Das vergisst er nicht so schnell. Oder aber er wird krank. Mama hat Recht behalten aber zu welchem Preis? War es das Wert?
Option C: Ich gebe ihm Recht. Ich gehe runter, auf Augenhöhe und rede mit ihm: “Stimmt, du bist eine kleine Wasserratte. Aber Regenwasser ist ziemlich kalt. Das fühlt sich nicht so toll an. Außerdem kannst du krank werden, wenn deine Füße kalt und nass sind und das ist ein ganz ekliges Gefühl, wenn man in nasse Sandalen schlüpfen muss. Glaub mir. ” Vielleicht überlegen wir noch welches Geräusch das machen würde, wenn die Sandalen klitschnass sind oder vereinbaren, dass wir wenn es das nächste Mal warm ist und regnet, zusammen barfuß durch die Pfützen hüpfen. Wir machen Pläne und lachen. Nebenbei ziehen wir unsere Schuhe an und gehen zur Kita. Ich habe mein Ziel erreicht und unsere Beziehung ist wieder ein Stück gewachsen. 💕

Klingt das zu einfach? Genau so ist es letzte Woche passiert, als der Herbst uns eingeholt hat. Es ist machbar. Es ist umsetzbar. Und: es ist nicht utopisch. Denn es geht, wie oben schon erwähnt um gegenseitigen Respekt, um Augenhöhe. Um Zuhören und Verstehen. Man muss nicht jeden Wunsch bis ins letzte Detail diskutieren. Bei uns gibt es auch: “Schatz, ich habe es dir gerade erklärt und wir hatten das Thema schon oft. Ich möchte jetzt, daß du hörst und nicht weiter diskutierst. Ich habe heute keine Nerven dafür.” Denn Eltern sind auch Menschen mit Gefühlen. Das dürfen die Kinder gern wissen. Wenn dann ein bockiges Kind dabei raus kommt, antworten wir mit Verständnis “Ok, dann sei sauer. Das ändert aber nichts. Ich wünschte auch, ich müsste das nicht immer wieder sagen. Wir können uns ja wieder vertragen wenn wir uns beruhigt haben.” So, oder ähnlich kann auch diese Situation enden, ohne zu eskalieren. MiniMe darf sauer sein, Mama und Papa dürfen auch.

Wichtig ist, dass man sich am Ende wieder verträgt und den Kindern bewusst ist, dass wir sie schützen wollen, nicht ärgern.